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Wie viel Orientierung ein Team verträgt
Manche Fragen sollte ich gar nicht beantworten.
Jemand aus dem Team bringt etwas mit, das er selbst besser beurteilen kann als ich. Und ich antworte trotzdem. Schnell, klar, hilfreich.
Genau das ist der Fehler.
Denn es bleibt nicht bei der einen Frage. Wer schnell eine gute Antwort bekommt, kommt wieder. Das ist kein Vorwurf an denjenigen, das ist völlig vernünftiges Verhalten. Es ist nur nicht das, was ich eigentlich will.
Klarheit gilt als das Beste, was eine Führungskraft geben kann. Ich glaube das immer noch. Aber sie hat einen Preis, über den selten jemand spricht: Jede Antwort, die ich gebe, ist eine Entscheidung, die jemand anders nicht getroffen hat.
Ehrlich? Antworten fühlt sich gut an. Es geht schnell, es macht mich sichtbar nützlich, und am Ende des Tages habe ich das Gefühl, gebraucht worden zu sein.
Bleibt die Frage: Wann ist Orientierung Führung, und wann ist sie meine eigene Bequemlichkeit?
Ich habe für mich eine grobe Trennung gefunden.
Orientierung ist Pflicht, wenn es um Richtung geht. Was ist gerade wichtiger als etwas anderes. Wo verläuft der Rahmen. Wer entscheidet, wenn zwei Bereiche gleichzeitig recht haben. Das kann ein Team nicht selbst klären, und wenn ich es offenlasse, entsteht kein Freiraum, sondern Reibung.
Orientierung ist übergriffig, wenn es um Fachliches geht, das jemand anders tiefer durchdrungen hat als ich. Wenn ich dort eine Einschätzung abgebe, bekomme ich nicht die beste Lösung, sondern meine. Und beim nächsten Mal fragt derjenige gar nicht mehr, was er selbst denkt.
Der Unterschied ist im Alltag schwerer zu erkennen, als er hier klingt. Beide Fragen kommen im selben Tonfall, oft im selben Gespräch, manchmal im selben Satz.
Was mir hilft, ist eine Zwischenfrage, bevor ich antworte: Was würdest du machen, wenn ich heute nicht erreichbar wäre?
Meistens kommt eine Antwort. Meistens ist sie gut. Und dann geht es nur noch darum, ob ich einen Einwand habe, nicht darum, ob ich eine Lösung liefere.
Manchmal kommt aber auch nichts. Dann weiß ich, dass ich vorher zu wenig Orientierung gegeben habe und nicht zu viel.
Ein Team, das ständig nachfragt, ist kein Beleg für gute Erreichbarkeit. Es kann auch heißen, dass ich zu oft geantwortet habe.
Führung heißt nicht, die Fragen zu beantworten. Sie heißt, dafür zu sorgen, dass sie beantwortet werden können.